Besuch bei der Puschkin-Gesellschaft Estlands
vom 10.11. bis zum 14.11.2016

Die estnische Puschkin-Gesellschaft feierte 2016 ihr 15jähriges Bestehen. Zu den Feierlichkeiten am 11. und 12. November hatte sie auch die deutsche Puschkin-Gesellschaft eingeladen. Beide Gesellschaften verbindet eine langjährige gute Zusammenarbeit, die sowohl dem wissenschaftlichen Austausch immer wieder neue Impulse gibt als auch für ein breiteres, interessiertes Publikum Themenschwerpunkte mit Puschkin Bezügen beider Länder aufbereitet.


In diesem Jahr nahmen die Vorstandsmitglieder Ewgenija Kurakina-Hartleben und Dietmar Stüdemann an den Veranstaltungen teil. 


Schwerpunkt der Feierlichkeiten waren die 6. Tallinner Puschkin Lesungen. Sie fanden im Gebäude der Akademie der Wissenschaften, dem eindrucksvollen ehemaligen Stadtpalais der Familie Stackelberg auf dem Domberg statt. 


Schwerpunktthema war der Einfluss namhafter russischer Literaten auf die Entwicklung Puschkins namentlich Puschkins Onkel, der Dichter Vasilij Lvovic Puschkin und Puschkins Mentor, der Schriftsteller und Historiker Nikolaj Michajlowitsch Karamzin.


D. Stüdemann sprach über den Einfluss der deutschen Aufklärung auf Karamzin mit besonderer Berücksichtigung seiner Reisebriefe aus Deutschland. (russ. Textbeitrag von E. Kurakina im Anhang).


Die Beiträge aus Estland und Russland stellten biographische Verbindungen in den Vordergrund mit einem besonderen Augenmerk auf Puschkins Frau, die mütterlicherseits mit zahlreichen deutsch-baltischen Familien verbunden ist, deren Schicksale in manchen von Puschkins Prosawerken eingegangen sind, nicht zu sprechen von seinem eigenem Urgroßvater, dem „Mohren Peters des Grossen“, der lange Kommandeur im damaligen Reval war und dort eine deutsch/schwedische Frau, Christina von Schönberg, heiratete.


Tallinn mit seinem eindrucksvollen Architekturensemble fasziniert immer wieder aufs Neue. Estland pflegt dieses Erbe umsichtig und nachhaltig.


Ein Teil der Veranstaltungen fand in der alten Universitätsstadt Tartu (früher Dorpat) statt. Traditionen der alten deutschsprachigen Universität gelten noch immer. Die Disziplinen sind heutigen Erfordernissen angepasst. Die Öffnung für internationale Studiengänge in englischer Sprache erweist sich als überaus fruchtbar und führt den Ort aus seiner Randlage ins Zentrum europäischer Interessen zurück. Eine immer weiter wachsende Zahl ausländischer Studierender belegt dies. Für manchen Studierenden aus dem benachbarten Russland auch eine Chance für die Bildung grenzüberschreitender Netzwerke.


Der Besuch zeigte erneut, wie wichtig grenzüberschreitende Zusammenarbeit literarischer Gesellschaften ist. Die Kenntnis und Vertiefung von Literatur in europäischen Kontexten fördert Verständnis füreinander und schafft Vertrauen, besonders in Zeiten wachsender Gegensätze und des drohenden Verlusts kultureller Bindungen. 
 

Das Programm auf Russisch können Sie als PDF-Datei hochladen.

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